Die vielleicht vollständigste Verfilmung
Die vierteilige Fernsehserie Der Graf von Monte Christo aus dem Jahr 1999, inszeniert von Josée Dayan und getragen von einem überragenden Gérard Depardieu, gilt zu Recht als eine der besten und werkgetreuesten Verfilmungen von Alexandre Dumas’ monumentalem Roman. Bei einer literarischen Vorlage von weit über 1500 Seiten ist dies keine Selbstverständlichkeit – doch dieser Film wagt das Kunststück und besteht es mit Bravour.
Die Handlung folgt dem Roman weitgehend ohne einschneidende Veränderungen. Edmond Dantès’ Verrat, seine jahrelange Haft im Château d’If, die Begegnung mit Abbé Faria, die Flucht, der sagenhafte Schatz und schließlich die sorgfältig geplante Rache an Danglars, Fernand Mondego und Villefort werden mit bemerkenswerter Ruhe und erzählerischer Geduld entfaltet. Gerade die Länge der Produktion erweist sich hier als großer Vorteil: Figuren, Motive und Intrigen bekommen den Raum, den sie benötigen, um ihre volle Wirkung zu entfalten.
Die wenigen Abweichungen vom Roman sind überschaubar und größtenteils nachvollziehbar. Eine neue Figur wird eingeführt, Bertuccio erhält eine deutlich tragendere Rolle als bei Dumas, und am Ende finden Edmond und Mercédès wieder zueinander – ein Zugeständnis an das Fernsehpublikum, das man nicht zwingend braucht, das aber den Gesamteindruck kaum schmälert. Es sind im Grunde die einzigen nennenswerten Eingriffe in die Vorlage.
Herausragend ist die Ausstattung der Serie: Kostüme, Kulissen und Drehorte vermitteln ein stimmiges, opulentes Bild der Epoche. Ob das düstere Gefängnis von If, die mediterranen Landschaften oder die prunkvollen Salons der Pariser Gesellschaft – alles wirkt sorgfältig gestaltet und lädt zum Eintauchen ein. Hier wird das 19. Jahrhundert nicht nur gezeigt, sondern fühlbar gemacht.
Schauspielerisch überzeugt die Serie auf ganzer Linie. Gérard Depardieu verleiht Edmond Dantès beziehungsweise dem Grafen von Monte Christo eine beeindruckende Mischung aus Würde, innerer Zerrissenheit und kontrollierter Härte. Besonders hervorzuheben sind auch Sergio Rubini als Bertuccio, der der Figur Tiefe und Witz verleiht, sowie Pierre Arditi als Staatsanwalt Villefort, der dessen moralische Verkommenheit und kalte Selbstgerechtigkeit eindrucksvoll verkörpert. Auch die Nebenrollen sind durchweg stark besetzt und tragen zum positiven Gesamteindruck bei.
Fazit:
Diese vierteilige Verfilmung ist ein Glücksfall für Dumas-Freunde. Sie respektiert den Roman, nutzt die Möglichkeiten des Fernsehformats und überzeugt durch Ausstattung, Besetzung und Erzähltempo. Eine wunderbare Serie, die man – trotz oder gerade wegen ihrer Länge – am besten am Stück genießt: idealerweise an einem kalten Winterabend, mit Zeit, Ruhe und Lust auf große Literatur in bewegten Bildern.
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Der Graf von Monte Christo von Josée Dayan
Seit beinahe 20 Jahren sitzt Edmond Dantes (Gerard Depardieu) unschuldig im Kerker des berüchtigten Felsengefängnisses Chateau d'If. Seine Zukunft scheint hoffnungslos. Doch dann gelingt ihm überraschend die Flucht, und er findet einen Schatz. Als Graf von Monte Christo kehrt er unerkannt in die Gesellschaft zurück. Bestürzt muß er erkennen, daß seine große Liebe Mercedes (Ornella Muti) einen anderen Mann geheiratet hat. Ab jetzt beherrscht nur noch ein Gedanke sein Leben: Rache zu üben an seinen Verrätern. Beharrlich und geschickt zieht er die Schlinge um seine Opfer immer enger.